Hjørundfjord – Ålesund – Molde

24. September 2014

Also von Bügeln (siehe Zitat von Skipper Wolfi im Nachtrag von 22. September) kann hier keine Rede sein, das Schiff ist auf hoher See eher mit einem kleinen Segelboot vergleichbar. Ich denke wieder an Wolfi und seinen oftmals gebrauchten „Speibkurs“, wenn die Welle von schräg achterlich unter dem Boot durchlädt. Obwohl die Wellen heute Nacht von Backbord querab kommen hat es sich ähnlich angefühlt. Kein Wunder, dass an allen Ecken und Enden des Schiffs Speibsackerlspender angebracht sind. Ich bin aber nicht vom Wellengang aufgewacht, sondern vom überaus motivierten und äußerst peniblen Matrosen, der mir wohl trotz durch Rettungsboote verbaute Aussicht von meiner Kabine wenigstens einen klaren Blick verschaffen wollte. Punkt 6 Uhr spritzt er mit seinem Wasserschlauch an Deck herum und wäscht, Rettungsboote, Auslegerarme und Seilwinden – dabei auch mein Kabinenfenster.

Das Frühstücksbuffet ist in Ordnung, wie gestern Abend sind die kalten Speisen wieder besser als die warmen. Mit dem Schwarzbrot haben sie es hier nicht so, aber zum Glück gibt es ein Vollkornbrot und eine klitzekleine Knäckebrot-Abteilung (schmeckt aber wie von Wasa – diese Ahnung wird sich einige Tage noch erhärten). Ist Woody Allen an Bord? Nein, ist wohl ein Doppelgänger. Und was ist da mit er alten US-amerikanischen Dame los? Auf ihrem Namensschild steht „Vintage“ so lesen? Haha, sehr lustig die Alte. Kurzer Stopp in Ålesund und Buchen des Ausflugs nach Urke, die Reiseleiterin Anna lobt meine gute norwegische Aussprache, na, dass sie sich da nicht zu früh freut, aber sie kommt ja selbst aus Schweden. Die Panorama-Lounge auf Deck 7 vorne hat eine imaginäre Grenze: vorne an den Fenstern wird nur geschaut oder ganz leise mit dem Nachbarn geplaudert. Hinten im Zentrum des Raums sitzen erhöht die Leute, die sich lustig durcheinander unterhalten. Oh wie nett, da singt die Gruppe plötzlich ein Geburtstagsständchen.

Dann setzen wir mit dem Tenderboot nach Urke über, das Schiff bleibt in der Mitte des Hjørundfjords vor Anker. Mit dem Bus (yeah, Touristengruppe!) gehts ins Harangsdalen, kaum bleibt der Bus stehen, springen alle auf und stürmen zum Ausgang, nehmen alle die gleichen Fotos auf. Da muss ich mir halt andere Aufnahmepositionen suchen. Später gibt’s Mittagessen mit altehrwürdigen Hotel Union Øye. Zurück im Bus sagt der Reiseführer, dass die Touristen nicht über das Weidegatter gehen sollen, dahinter haben die Schäfchen alles zugeschissen. Einige lassen sich durch sein Bitten und Betteln nicht abbringen und waten durch den Dreck, nehmen anschließend alles mit in den Bus. Der Busfahrer nimmt es locker, hat er das doch schon öfter erlebt. Erheitert von seinem Mega-Fang heute Nacht (22 Forellen aus einem der Gebirgsseen, mehrere davon über 1 kg Gewicht, jaja, altes Fischerehrenwort) zeigt er mir gleich ein Foto seiner Fische als Antwort auf meine Frage, wie denn das Tal hier heißt. Sehr nett, spricht kein englisch, aber wir beide verstehen uns trotzdem.

Am späten Nachmittag dann der längere Stopp in Ålesund, es folgt ein kleiner Rundgang in der „Jugendstilstadt“. Davon gibt es aber schon so viele Fotos also schaue ich mir das andere Ålesund nordwestlich des Aksla, welches sich sehr hügelig über Storgata, Skaregata, Hans Stroms Gata, Einarviksgata, Lihauggata, Grimmergata und Kipervikgata erstreck, wo das Lyspunktet Café in der alten Missionskirche zur Rast einlädt. 92 NOK für die Topfentorte „Rebekkas Ostekake“ und einen Espresso im Hipster-Café von Ålesund, es ist hier sogar teurer als auf dem Schiff.

Anna schreibt mir ein paar Tipps für die Lofoten zusammen, sie wohnt jetzt schließlich dort und kennt sich sehr gut aus. Abends wird in der Lounge gebloggt und ein Cocktail an der Bar genossen – naja, das hätte ich mir sparen können. Der Landgang in Molde, der Stadt von Ane Brun und Jo Nesbø fällt wegen verspäteter Ankunft und Regenwetter aus.

p.s. Danke für eure Nachrichten, ob ich noch am Leben bin! 😉 Schnelles Gratisinternet ist so eine Sache hier, also blogge ich selten und Fotos gibt’s erst später. Für alle, die es gar nicht aushalten können gibt’s auf journi ein kleines Foto-Reisetagebuch (halbwegs aktuell) und auf twitter immer wieder Statusupdates (recht aktuell).

2 Antworten auf „Hjørundfjord – Ålesund – Molde“

  1. Wow, da tut sich was bei dir. Ich sitz grad im Waschsalon und bekomm Fernweh wenn ich die Fotos und Berichte sehe. Danke- hier im Salon könnt ich eh nur der Waschmaschine zuschauen

    1. Bitte, bitte, sehr gern! Waschmaschine ist ein gutes Stichwort, sowas könnt ich auch einmal gebrauchen – und einen funktionierden (!) Trockner dazu… ;-P

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