Burfjord – Talvik – Alta – Hammerfest

29. September 2014

Heute geht es mal früher los in Richtung Alta, ich mache einige Fotostopps auf der Strecke Sandbukt, Gildetun (cooler Pass) und Sørstraumen, wenn das so weitergeht, dass ich alle paar Kilometer stehen bleib, dann komme ich ja nie an! 😉 Ich verstehe nicht, warum bei diesem genialen Licht- und Farbenspiel nicht mehr Touristen auf dem Weg sind, es ist ein Augenschmaus. Aber auch mein Glück.

Später Kaffeepause im Café E6 (! 😉 in der Tankstelle in Burfjord, Kvænangen. Alles Einheimische hier, Busfahrer oder Fährkapitäne (am Logo der Jacke und deren Outfit mit Krawatte erkennbar) und Arbeiter oder Bauern, aber alle sehr freundlich und gemütlich unterwegs. Das Angebot ist nicht besonders groß in der 80er-Jahre-Stil-Cafeteria, aber es reicht für alle, schließlich sind die meisten zum Tratschen da. Es stehen alte Tisch und Stühle im Raum, sie sehen aus wie aus der Volksschule, vielleicht sind sie sogar schon aus den 70er-Jahren. Am Tisch liegt eine Glasplatte und darunter ein weißes, gehäkeltes Deckel. Die Buffet-Frau ist ausgesprochen nett und kann sogar sehr gut englisch. Ich sitze also an diesem entlegenen, etwas surrealen Ort, aktiviere mein Data Roaming am Handy und siehe da, ein Twitter-Fave von Natalie. Es folgt ein kleiner Chat über Lebensfragen und die Dinge, die mich grad so beschäftigen. Das Internet ist schon ein geniales und auch ein wenig wundersames Ding (Na ok, vielleicht noch nicht so extrem, ich weiß ja in den grundlegenden Ebenen, wie es funktioniert!) 😉 Eine Viertel Stunde später beenden wir das „Gespräch“ – ich mit einigen Tipps reicher. Bei dieser Gelegenheit: folgt bitte Natalie auf Twitter, sie ist eine sehr gescheite Frau und hat vielleicht auch für euch Tipps parat! 😉

Auf dem weiteren Weg beobachte ich immer wieder Holzarbeiten der Straßenverwaltung neben der Straße, die bereiten wohl schon alles hier auf den herannahenden Winter vor und schneiden alle maroden Bäume präventiv um. In den Fjorden sind jetzt viele Fischfarmen zu sehen, davor, bei den Zufahrten stehen viele große Säcke (ähnlich diesen weißen Silo-Bällen, nur ein wenig kleiner), einige davon sind kaputt und es quillt schwarz-gelbes Zeug heraus. Am Langfjorden (einem Nebenarm des Altafjorden) fahre ich auf jener Seite entlang, wo die Straße ist, auf der anderen gibt’s nämlich nichts, das ist auch mal ein schöner Anblick. Der Altafjorden etwas später ist gigantisch breit, es sind sanfte Hügel, kleine Berge, Fjellbirken, vereinzelt und in Wäldern zusammenstehend, sichtbar. Zwischen den Hügeln eröffnet sich immer wieder der Blick auf beschneite Bergketten und Mini-Gebirge. Ich bin jetzt in der Finnmark, die Straßenschilder sind durchgehend dreisprachig. Und die ersten Achtung-Rentiere-Schilder tauchen auf.

An einem netten Rastplatz mit Strand am Fjord kurz vor Talvik mache ich Pause und koche mir einen Kaffee. Das dauert zwar etwas mit der gasbetriebenen Filterkaffeemaschine, aber es funktioniert. Die Wartezeit verbringe ich mit Selfies, die Kamera am Stativ und den Funk-Fernauslöser in der Hand. An Kathi: Benji würde es hier gefallen, da gibt’s überall so coole Steine (und vielleicht sogar Halbedelsteine) zu finden! Glatt geschliffen, glänzend, teilweise sogar schwach durchsichtig. Quarz, Glimmer, Basalt und Konglomerat erkenne ich, vielleicht sogar Rosenquarz.

Bei Alta gibt’s den schönen Sautso-Canyon, welcher der größte in Europa sein soll. Allerdings ist die Zufahrt sehr lange über eine sehr schlechte Straße (damit kenne ich mich ja seit meiner Exkursion zum Galdhøppigen 2011 schon aus) und außerdem ist das Wetter wieder schlechter geworden, also lasse ich diesen Ausflug links liegen. In Alta selbst gibt’s eine nette kurze Einkaufsstraße, welche sogar eine Fußgängerzone ist, auf der einen Seite mit einem riesigen Einkaufszentrum. Ich mag ja grundsätzlich keine Einkaufszentren, aber dieses hier ist sehr nett, ich kann mir gut vorstellen, dass die Norweger sich hier die Polarnacht um die Ohren schlagen. Es ist nicht alles auf Konsum ausgerichtet, so wie bei uns in Österreich. Schneemobile sind grad im Angebot beim hiesigen Baumarkt.

Weiter geht’s nach Hammerfest. Kurze Rast am Leirbotnvannet mit dem Kaffee aus der Iso-Kanne und dem vorhin bei der Tankstelle erstandenen Chokladboller mit sehr schönem Blick auf den See hinaus. Keine zehn Kilometer später fahre ich über eine weite Hochebene (auf „nur“ 385 m Seehöhe), kurzer Fotostopp und danach sehe ich meine erste Rentierherde. Die Tiere grasen in aller Ruhe, aus deren Nüstern stößt ihr sichtbarer Atem, rechter Hand sind die niedrigen Gebäude des dazugehören Rentierbauern sichtbar. Die Weidezäune sind übrigens, wenn sie quer zur Straße führen mit bunten Plastiksackerln markiert/dekoriert, ich vermute einerseits als „Vogelscheuche“ für die Rentiere und andererseits als Hinweis für die Autofahrer, dass sie jetzt in ein Rentiergehege fahren. Ständig „durchfahre“ ich einen „Vegbom“ hier oben, das ist eine Schranke, mit der im Winter einzelne Straßenabschnitte gesperrt werden, wenn sie nicht befahrbar sind. Hier ist es vielleicht auch sehr einsam in den Polarnächten…

Hammerfest hat im Wappen den Eisbären, das gefällt mir! 🙂 Viele Flutlicht-Lampen stehen hier rum, auch schon wieder ein Hinweis auf endlose Polarnächte im Winter. Am Ende der Stadt ist eine riesige Raffinerie, welche schon von weitem wegen der Bohrgasverbrennung sichtbar ist, sie verstinkt den ganzen Ort, und das obwohl stürmisches Regenwetter herrscht. Ich drehe eine kurze Runde durch den Ort, schaue mir die Meridiansäule des Struve-Bogens an, mit dessen Hilfe im 19. Jahrhundert die Abplattung der Erde vermessen wurde und besuche das Restaurant Qa in der Sjøgata, eine nette Cafeteria mit gutem Essen. Dann geht’s weiter, also zurück von woher ich gekommen bin, die Fahrt nach Hammerfest war nämlich ein Abstecher, also zurück Richtung Skáidi. Kurz nach einem Tunnel sehe ich einen schönen Rastplatz, den ich für die Nacht auswähle. Von hier ist wieder die Gasfackel der Raffinerie sichtbar, allerdings nur deren rot-oranger Schein, der sich auf den Wolken am Horizont reflektiert. Schaut ein wenig so aus wie das „Auge Saurons“ aus „Herr der Ringe“ 😉 und macht später auf den Nordlicht-Fotos (Ja, richtig gelesen!) einen netten Kontrast zum grünen Schein der Sonnenpartikel beim Eintauchen in die Erdatmosphäre. Diesmal hab ich isolierende Unterwäsche, Schisocken, T-Shirt, Fleeceweste, Buff, eine dünne und eine dicke Jacke, Mütze, beide Kapuzen, Trekkingschuhe und Handschuhe an. Unglaubliche Nordlichter erstrahlen den Himmel, sie sind einfach überall, am stärksten im Westen (da sind leider auch die Wolken), aber die im Norden und Nordosten sind auch ganz wunderbar. Schlafengehen erst um 1 und nach dem Schließen meiner Augen flimmern die Nordlichter noch immer über die Lider.

Burfjord - Talvik - Alta - Hammerfest

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