Inari: Wanderung auf den Otsamo und original finnischer Saunagang

5. Oktober 2014

Nach einem späten und gemütlichen Frühstück geht’s beim Siida-Museum los auf den 20 km langen Wanderweg. Der Pfad ist sehr gut sichtbar und hervorragend markiert. Da könnten sich die Norweger ein Scheibchen abschneiden. Es sieht ein bisschen nach Urwald aus hier, viele Bäume liegen entwurzelt kreuz und quer herum, darüber ist bereits dich das Moss und Heidel- sowie Preiselbeerbuschen gewachsen. Heidelbeeren gibt’s hier übrigens noch sehr viele, keine Ahnung, warum die niemand pflückt. An einem Forstweg sehe ich ein Schild „Wandern verboten!“ 😉 Viele Schwammerln stehen im Wald, die meisten davon sind aber ungenießbar, weil bereits mit Wasser vollgesogen und teilweise sogar wegen der schweren Last umgefallen. Ich sehe sogar lustige Exemplare, die aussehen, als bestünde der Schirm aus einzelnen Blättern. Hin und wieder stehe eine einzelne Birke im Kiefernwald, selten ein nach Blitztreffer ausgebrannter Baumstumpf. Unzählige coole Boulderfelsen gibt’s hier wieder, die müssten natürlich alle noch geputzt werden, bevor sie wirklich ordentlich beklettert werden könnten. Bei der metallenen Hängebrücke sehe ich mir die Stromschnellen Jäniskoski an und denke mir, dass ich da ganz sicher nicht hineinfallen will… 😉 Zum Überwinden der Zäune muss der Wanderer hier klettern können. Der Großteil des Weges ist relativ eben, es gibt nur kleinere Auf- und Ab-Passagen, doch der letzte Kilometer hat es in sich, da wird es ganz schön steil und plötzlich gibt’s wieder diesen sandigen Boden.

Geile Aussicht oben am Gipfel des Otsamo. Er ist nicht vergleichbar mit dem klassischen Berggipfel in Österreich, erst einmal hab ich einen vergleichbaren Gipfel bestiegen (den Lodron im Tiroler Westendorf). Ganz flach und abgerundet präsentiert sich die Bergspitze dem Wanderer. Zum Glück steht am höchsten Punkt eine kleine Schutzhütte, neben der eine Treppe zur am Dach befindlichen Aussichtsplattform führt. Die Hütte ist putzig und bietet maximal acht Wanderern eine Sitz- und Aufwärmgelegenheit. Es ist für alles vorgesorgt: Ofen, Brennholz, Trockenbrot, Kekse, Gaskocher, Zünder, Teelichter, Tourismusmagazin von Inari, Anleitungen zum Verwenden der Hütte an den Wänden und ein Gipfelbuch in Form eines Spiralblocks. Der Wind pfeift ordentlich von Osten her und ich trockne damit notdürftig meine Fleeceweste, trockene Leiberl hab ich ja ohnehin mit.

Beim Abstieg kämpft sich manchmal die Sonne durch die dicke Wolkendecke. Es gibt neben dem Fluss mehrere überdachte Feuerstellen, die ebenfalls den Wanderer zur Rast und zum Grillen der mitgebrachten Jause oder zum Kochen eines Tees einladen. Auch hier ist wieder ein eigens erbauten Hütten für genügend Brennholz gesorgt.

Abends mache ich eine Saunierung 😉 am Campingplatz. Die Sauna-Hütte ist gleich am Seeufer, hat einen kleinen Vorraum zum Ausziehen und Rasten mit offenem Kamin (der ist jetzt natürlich, weil ich der einzige Gast bin, nicht eingeheizt) und durch einen Duschraum ist der Zugang in den Schwitzkasten eröffnet. Untere Bänke gibt es de facto nicht, die sind so schmal, dass sie nur als Fußstütze für die oberste Bank herhalten können. Drinnen steht ein relativ großer Elektroofen, mit dem sind sicher höllenheiße Aufgüsse machbar. Es folgen einige Saunagänge inklusive Abkühlung im arschkalten Inari-See. Ok, schön war die Abkühlung nicht, aber ich kann sie wenigstens von meiner Liste abhaken… 😉

Seit fünf Tagen bin ich offiziell arbeitslos, das wird mir erst heute klar. Es wird wohl noch ein wenig länger dauern, bis sich das Gefühl komplett einstellt.

Was mir heute außerdem aufgefallen ist: so zehn bis zwölf Kilometer, vielleicht vierzehn, ist es ja überhaupt kein Problem, allein zu wandern. Aber alles darüber hinaus ist mir schon zu langweilig. Wie vor einigen Tagen beim Knivskjellodden (18 km Wanderweg) dauert es mir dann zu lang, ich weiß schon gar nicht mehr, woran ich noch denken soll und ich will nur noch zum Ausgangspunkt zurück. Aber es funktioniert trotzdem, es ist – wie beim Klettern – nur eine Kopfübung.

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