Ivalo – Sodankylä – Kemijärvi – Santa Claus Village (Napapiiri) – Rovaniemi – Hiidenkirnut

6. Oktober 2014

Sonnenaufgang am Horizont, sie verschwindet jedoch wenig später hinter den Wolken, Nieselregen am Vormittag. Ich erledige ein paar Dinge am Computer, da ich hier am Campingplatz noch Internet habe. Dann geht’s weiter Richtung Sodankylä. Ich sehe Wälder, Seen, hin- und wieder eine Hauseinfahrt, sonst nicht viel, auch nicht viel Verkehr.

Kaffeepause in Ivalo, ich finde direkt an der Straße ein lustiges Souvenir-Geschäft mit Second-Hand-Laden, es wird Sauna-Zubehör, Kinderspielzeug und Dekoartikel geführt, und schließlich Kaffee ausgeschenkt. Die kleine Cafeteria des Geschäfts ist voll besetzt mit Publikum quer durch alle Bevölkerungsschichten. Am Tisch liegt eine Lokalzeitung, ich vermute vom vorhergehenden Gast. Die Themen darin: Fischen, Lokalpolitik, Sport, Todesfälle, Sonnenauf- und untergangstabellen sowie allerlei Veranstaltungswerbung.

Nach Kilopää beginnt sich die Landschaft etwas u verändern, der Wald hat jetzt auch Bäume, die höher als drei bis vier Meter werden, manchmal sogar fünf bis sechs Meter, es beginnen endlich Birkenwälder (!), die aber leider schon alles Laub verloren haben, sich also nicht sooo gut als Fotomotiv eignen. Außerdem passt das Licht heute ja eh nicht. Die Straße ist sehr gut ausgebaut, meistens ist 100 die Höchstgeschwindigkeit. Normal ist Überland 80 in Finnland. Ich sehe mein erstes Rentier in freier Wildbahn, oder zumindest kann ich das Gehege nicht erkennen. Nebel und Nebelreißen setzen ein, aber es geht gut zu fahren. Seitlich neben der Straße liegen manchmal Reste von geplatzten LKW-Reifen.

In Sodankylä will ich mir die alte Holzkirche, eine der ältesten des Landes ansehen – leider verschlossen. Die neue Kirche, für deren Turm das Holz des Turms der alten Kirche verwendet wurde, ist ebenso verschlossen. Ich finde auf Foursquare eine nette Cafeteria und probiere eine typisch finnische Sandwichtorte und den im Internet ausgelobten Cheese Cake. Ah, ein Sportgeschäft! Hmm, die Haglöfs-Jacken kosten hier genauso viel wie bei uns. Sodankylä ist ein großer Heeres-Standort und ständig kurvt deren Fahrschule mit einem großen LKW inkl. Anhänger durch die Stadt. Ich frage die Chefin des Cafés nach einem Tipp für die Weiterfahrt. Soll ich den direkten Weg nach Rovaniemi nehmen oder lieber den Umweg über Kemijärvi. Umweg – der ist netter.

Ivalo und Sodankylä sind übrigens beides sehr nette, geschäftige Orte, viele Leute und Autos sind auf den Straßen unterwegs, es herrscht ein belebtes Getümmel vor und in den Geschäften. Die Leute stehen auf den Gehsteigen zusammen und tratschen. Seit meiner Ankunft in Finnland sehe ich viele Hundehalter mit ihren vierbeinigen Genossen, aber hier sind es wirklich viele, die beim Gassigehen unterwegs sind. Ich komme an netten, einsamen, jedoch angenehm und gemütliche erscheinenden Siedlungen und kleineren Ortschaften vorbei, sehe aber auch viele alte Autowracks in den Einfahrten stehen. Wie gestern bei der Wanderung gibt’s auch hier wieder viele riesige Ameisenhaufen. Neben der Straße sitzt eine schwarze Gans (Gibt’s sowas überhaupt?) ganz ruhig und bewegt sich während meiner Vorbeifahrt nur minimal, später fliegt eine Gruppe von fünf solchen „Gänsen“ eine Kurve lang die Straße entlang. Die Wälder sind hier von Wiesen und Weiden durchbrochen. Und es gibt Kühe und diese hässlichen Silo-Bälle, wie bei uns.

Zwischen Tapionniem und Kemijärvi bleibe ich an einem See auf dem Parkplatz für die Nacht stehen.

Soundtrack: Emilíana Torrini – Fireheads (Live)

7. Oktober 2014

Nach einem schnellen Frühstück und der Routenplanung geht’s nach Kemijärvi auf einen Kaffee in Susa’s Bistro (auch wieder eine Empfehlung von Foursquare, nachdem ich beim Herumkreuzen im Ort nichts Nettes gefunden hab). Der zweite Kaffee ist gratis und für die ganz Hungrigen gibt’s um halb elf schon Mittagessen, welches nach Gewicht bezahlt wird, 100 g für 2,20 – was ich später auch noch probieren werde, weil ich dort so lange hocke… 😉 Auf den Heizplatten der Kaffeekannen liegen kleine Kupfermünzen, weil die starke Hitze sonst den Kaffee verbrennen würde.

Kurzer Stopp im Santa Claus Village (armselig mit nur einem winzigen Häufchen Schnee) und Überschreitung des Polarkreises („Napapiiri“ auf Finnisch), schön war’s hier oben in den vergangenen zwölf Tagen! 🙂 Es folgt ein Rundgang in Rovaniemi: Einkaufsstraße, Espresso in der Schokoladen-Manufaktur, Rundgang durchs Souvenirgeschäft, evangelische Kirche (wegen des tollen Deckenfreskos, aber leider geschlossen) und Artikum-Museum (nur wegen der Architektur).

Wenig später Ankunft bei der Gletschermühle Hiidenkirnut. Coole Felsen, welche von größeren Steinen während des Abfließens der Gletscher zu Höhlen ausgebohrt wurden. Leider ist überall Wasser drin und ich kann nicht hinunter steigen, die Höhlen sind nämlich bis zu 18 Meter tief. Hier wären auch wieder sehr viele coole Boulderfelsen und ich ertaste, wie sich das Gestein auf den Fingern anfühlt.

Mittlerweile geht mir das Alleinreisen ordentlich auf die Nerven. Ich glaub, ich war noch nie so viel mit mir selbst beschäftigt und hatte so wenig Kontakt zu anderen Menschen, wie im Moment, in den vergangenen Tagen. Ich lasse dieses Experiment jetzt einfach noch ein wenig weiter laufen, in dem ich jetzt mal in meiner Mini-Zivilisation in Form des Campers, im Wald bleibe.

2 Antworten auf „Ivalo – Sodankylä – Kemijärvi – Santa Claus Village (Napapiiri) – Rovaniemi – Hiidenkirnut“

  1. Ich schick dir Grüße aus Salerno. Bin noch bis Samstag da. Heute hatten wir 30 Grad und gestern war ich sogar im Meer. Naja, eigentlich bin ich ja zum Arbeiten hier – aber Italien und arbeiten passt einfach nicht zusammen. 🙂 Bis bald. Liebe Grüße

    1. Moi, kiitos! Von solchen Temperaturen kann ich nur träumen, aber heute war’s tatsächlich mal angenehm am Sonnendeck der Fähre, ich konnte ohne Mützerl draußen sitzen… 😉

      Nur noch 1,5 Tage! :'( Na aber ich freu mich auch schon wieder auf Wien! 🙂

      LG
      Alex

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